»Allein im Netzgebiet der TEN sind derzeit 17 Mittelspannungsbereiche voll. Heißt: Die Netze können keine weitere PV-Einspeisung aufnehmen«. Dies teilt die Thüga Aktiengesellschaft mit – und stellt auch gleich eine Lösung vor. In einem Pilotprojekt in Thüringen zeigt das Unternehmen, wie sich der Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen lässt, ohne neue Leitungen zu bauen. Dabei kommt ein Mittelspannungslängsregler (MSLR) zum Einsatz, der das Spannungsband korrigiert und so die Aufnahmefähigkeit bestehender Leitungen erhöht. Eine Rechnung in einem Beispielnetz habe ergeben, dass es möglich sei, dadurch rund 260 Prozent mehr PV-Leistung zu integrieren. Entwickelt wurde das Gerät von Thüga, TEN Thüringer Energienetze und Hitachi Energy. Die Technologie dabei ist nicht neu. So wird beispielsweise von ABB seit über zehn Jahren ein entsprechender Spannungsregler für das Mittelspannungsnetz angeboten, der ebenfalls die Aufnahmekapazität von Wind- und PV-Anlagen erhöhen soll.
Das Gerät in Thüringen ist auf Basis von Thüga-Spezifikationen standardisiert und etwa so groß wie ein großer Ortsnetztransformator. Es kann ohne zusätzliche Bauarbeiten in bestehende Trafostationen integriert werden. In Vorserien-Tests erwies sich die Technik laut Thüga als unempfindlich selbst gegenüber Fehlbedienung. Für Netztechniker unterscheide sich die Handhabung kaum von der konventioneller Komponenten.
»Berechnungen für Flächenversorger in der Thüga-Gruppe ergeben, dass der Einsatz von MSLR bis 2035 bei einzelnen Netzbetreibern einen dreistelligen Millionenbetrag an Netzausbaukosten sparen kann, wenn wir diese Regler dort einsetzen, wo es sinnvoll und möglich ist«, sagt Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Thüga Aktiengesellschaft.
Im Gesamtsystem ist die Technik für Thüga ein Ergänzungsinstrument. Sie stehe neben anderen Lösungen wie regelbaren Ortsnetztrafos, Speichern oder Redispatch und ziele vor allem auf Anwendungen, in denen schnell zusätzliche Netzkapazität benötigt wird.
Hitachi Energy fertigt den Regler zukünftig in Serie in Europa, genauer im Transformatoren-Werk in Lodz, Polen. Das Gerät kann kurzfristig bestellt werden.
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