TH Ulm erforscht Alternative zur 60-Prozent-Begrenzung der Einspeiseleistung bei Hausdachanlagen

THU
© THU

Anstatt Solaranlagen pauschal abzuregeln oder zeitweise vom Netz zu nehmen, möchte die Technische Hochschule Ulm (THU) die Einspeisung flexibel an die aktuelle Situation im Stromnetz anpassen. Im Rahmen des Forschungsprojekts FLEXSolar-BW (Flexible Export Limits für Solarspitzen in Baden-Württemberg) soll ein in Südaustralien bereits erfolgreich eingesetztes Verfahren zur Kontrolle von Solarspitzen erstmals unter den Bedingungen in Baden-Württemberg getestet werden, um Solarstrom besser nutzen zu können. Im Mittelpunkt stehen die sogenannten »Flexible Export Limits«. Dabei handelt es sich um eine intelligente Steuerung der Einspeisung von Solarstrom aus Hausdachanlagen in das Stromnetz.

Seit einem Jahr gilt in Deutschland das Solarspitzengesetz, das eine feste Begrenzung der Einspeisung auf 60 Prozent bei neuen Solarstromanlagen vorsieht, solange keine aktive Steuerung möglich ist. Somit müssen neue Photovoltaikanlagen steuerbar sein oder können ihren Strom nur noch eingeschränkt einspeisen. Darüber hinaus können einige Netzbetreiber in einzelnen Netzbereichen aktuell nur eine zeitlich befristete Nulleinspeisung von neuen Photovoltaikanlagen zulassen, da bereits zu viele Erzeugungsanlagen an das Elektrizitätsversorgungsnetz angeschlossen sind und der Netzausbau noch andauert. »Flexible Export Limits« bieten hier eine praxisnahe Alternative: Die tatsächliche Einspeisung wird kontinuierlich gemessen und kann gezielt gesteuert werden. So können bestehende Netze besser genutzt werden, ohne dass sie sofort ausgebaut werden müssen. Diese Lösung ist eine beispielhafte Umsetzung der im Erneuerbare-Energien-Gesetz vorgesehenen flexiblen Netzanschlussvereinbarungen (§ 8a EEG 2023) und gilt international, insbesondere in Australien, als Vorreiter für ein modernes Einspeisemanagement von Hausdachanlagen.

Im Projekt »FLEXSolar-BW« wird an der THU eine technische Plattform auf Basis internationaler Standards aufgebaut. Sie wird in die deutsche Steuerungstechnik integriert, beispielsweise über Smart-Meter-Gateways und spezielle CLS-Steuerboxen. Darüber hinaus werden Schnittstellen zu den Leitsystemen von Verteilnetzbetreibern geschaffen.

Die neuen Lösungen werden sowohl im Labor als auch im realen Betrieb gemeinsam mit Haushalten und verschiedenen Wechselrichter-Herstellern getestet. Dabei wird untersucht, welche technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Vorteile sich durch »Flexible Export Limits« ergeben. Die Ergebnisse sollen später in nationale Regeln, Normen und gesetzliche Weiterentwicklungen einfließen. Dadurch sollen die Kosten für Verbraucher und Netzbetreiber gesenkt und der Bedarf an teuren Netzausbauinvestitionen langfristig reduziert werden.
Wesentliche Partner für das Projekt »FLEXSolar-BW« sind die Verteilnetzbetreiber, die die flexible Begrenzung der Einspeisung nutzen. Das Team konnte bereits die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm Netze GmbH sowie die Unternehmen Advalju, Vivavis, PSI und die SunSpec Allianz als Projektpartner gewinnen. Weitere Verteilnetzbetreiber in Baden-Württemberg sind eingeladen, bei Interesse an einer Beteiligung am Projekt Kontakt mit der Technischen Hochschule aufzunehmen.

»Mit FLEXSolar-BW zeigen wir, dass Solarspitzen nicht generell abgeschnitten werden müssen. Statt starrer Begrenzungen setzen wir auf intelligente Lösungen, die sich im Alltag bewährt haben – wie in Australien. Davon profitieren sowohl Bürgerinnen und Bürger mit Solaranlagen als auch die Stromnetze insgesamt«, fasst Projektleiter Gerd Heilscher die Vorteile des neuen Forschungsvorhabens zusammen.

Das Projekt läuft bis Juli 2027 und wird vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg gefördert.

© PHOTON

Pressemitteilung

Newsletter

Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.
plus_circle [#C5272C]Created with Sketch.

Abonnement

Finden Sie hier alle Informationen.

Feldtests erfolgreich: Tesvolt Gewerbespeicher erzielen hohe Erlöse im Energiehandel

Der neue Gewerbespeicher Tesvolt Forton hat sich im Feld bewährt. Das melden der Batteriespeicheranbieter Tesvolt und das Tochterunternehmen Tesvolt Energy.

Der vielleicht leiseste Wechselrichter seiner Klasse – GoodWe’s neuer 50 kW String-Wechselrichter für Gewerbe und Industrie

GoodWe haben ihren neuen String-Wechselrichter mit 50 kW für Gewerbe und Industrie (C&I) auf den Markt gebracht.