Gestern hat Bundesumweltminister Carsten Schneider das Klimaschutzprogramm 2026 vorgestellt, in dem die die Ausschreibung von zusätzlichen zwölf Gigawatt Windkraftleistung vorgesehen ist. Gleichzeitig könnten die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche mit dem sogenannten »Netzpaket« den Bau neuer Windparks und Photovoltaik-Freiflächenanlagen massiv ausbremsen. Das Beratungsunternehmen Enervis hat im Auftrag des Ökostromversorgers Green Planet Energy nun den Umfang der möglichen Auswirkungen des Netzpakets ermittelt. Demnach wären rund 32 Gigawatt an Vorhaben gefährdet, die bereits genehmigt sind, sich in der Genehmigungsphase befinden oder kurzfristig realisiert werden könnten, davon 9,2 Gigawatt Photovoltaikanlagen (rund 28 Prozent der anstehenden Projekte) und 23 Gigawatt Windparks (rund 30 Prozent der anstehenden Projekte). Insgesamt stünden damit Investitionen in Höhe von rund 40 Milliarden Euro in Windparks und 4,9 Milliarden Euro in Solarparks auf dem Spiel, heißt es in der Kurzstudie.
Mit Blick auf das Jahr 2025 identifiziert die Studie 90 Landkreise, die gemäß den Plänen des Wirtschaftsministeriums als »kapazitätslimitierte Netzgebiete« eingestuft würden. In diesen Gebieten dürften zwar weiterhin Wind- und Solaranlagen gebaut werden, die Betreiber erhielten jedoch keine Entschädigung mehr für das Abregeln ihrer Anlagen aufgrund von Netzengpässen (Redispatch). Besonders betroffen wären Landkreise in Ostfriesland, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern. Da das Ministerium nicht zwischen den Technologien unterscheidet, wären in Regionen mit starkem PV-Ausbau neue Windprojekte beeinträchtigt – und umgekehrt. Selbst in Bayern, wo bekanntlich sehr wenige Windräder stehen, wären neue Anlagen durch den hohen Solaranteil bedroht – also genau dort, wo Bundesumweltminister Schneider gern möglichst viele zusätzliche Windkraftanlagen sehen würde.
Green Planet Energy fordert daher, das Netzpaket grundlegend zu überarbeiten. Anstatt Risiken auf Projektierer abzuwälzen, brauche es klare, faire und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen, die den Ausbau beschleunigen. Zudem sei es entscheidend, die Ursachen für Engpässe anzugehen.
»Den Erneuerbaren die Schuld für Netzprobleme zu geben, ist, als würde man dem Wasser marode Leitungen anlasten«, so Tim Höfer, Energiemarktexperte bei Enervis und Autor der Studie: »Nicht Wind und Sonne sind das Problem, sondern Netze, die seit Jahren nicht modernisiert wurden. Die Bundesregierung muss jetzt dafür sorgen, dass die Netzbetreiber ihre Arbeit erledigen und die Netze fit machen für mehr Erneuerbare.«
© PHOTON


