Ralf Bischof, einer der erfahrensten und profiliertesten Kenner der erneuerbaren Energien, hat einen Kostenvergleich zwischen neuen Erdgaskraftwerken und neuen Solar- sowie Windparks angestellt. Dabei hat er die im gesamten System anfallenden Kosten für die Stromerzeugung, den Netzausbau und die Bereitstellung von gesicherter Kapazität berücksichtigt. Ergebnis: Trotz konservativer Annahmen zugunsten der Erdgasverstromung ist die Stromerzeugung aus Solar- und Windenergieanlagen an Land im Vergleich günstiger als aus GuD-Kraftwerken mit Erdgas als Brennstoff. Konkret ergeben sich für Solar- und Windenergieanlagen, die im Jahr 2027 neu errichtet werden, Gesamtkosten von rund 11 Cent je Kilowattstunde (ct/kWh). Für Gaskraftwerke liegen die Kosten mit bis zu 31 ct/kWh dagegen drei Mal so hoch. In seiner Studie widerlegt Bischof zudem das oft geäußerte Argument, dass Batteriespeicher keine thermische Kapazität während einer Dunkelflaute ersetzen können. Speicher können die Last glätten und somit thermische Kraftwerksleistung einsparen. In der Studie wird dieser Effekt am Beispiel der Dunkelflaute vom 3. Dezember 2025 ausführlich dargestellt.
Bischof hält es daher gesamtwirtschaftlich für sinnvoll, den Bau neuer Erdgaskraftwerke zu minimieren und den Bau von Batteriespeichern zu forcieren. Die notwendige Umlage der Kosten des geplanten Kapazitätsmechanismus auf Stromkunden und Steuerzahler könnte damit in der Höhe begrenzt und zeitlich deutlich nach hinten geschoben werden. Hinzu komme die mögliche Vermeidung von Redispatch bzw. langfristig auch die Vermeidung von Netzausbau durch den netzdienlichen Einsatz von Speichern.
Bischof hält es für wahrscheinlich, dass durch den weiteren Kostenverfall von Batteriespeichern bzw. die Entwicklung neuer Langzeitspeicher der kosteneffiziente Neubau von Erdgaskraftwerken ohne Wärmeauskopplung deutlich in die Zeit nach 2035 verschoben werden kann. Investitionsentscheidungen wären dann erst 2030 zu treffen. Der genaue Zeitpunkt hänge von der Entwicklung des Strombedarfs und der Nachfrageflexibilität ab. Der vorgeschlagene Ansatz minimiere daher auch das Risiko von zu frühen Überinvestitionen bzw. langfristigen Stranded Investments.
Ralf Bischof verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Energiewirtschaft, unter anderem als Vorstandsmitglied im BEE, als Mitgründer und Vorstandsmitglied der Naturstrom AG, als Geschäftsführer des BWE sowie zuletzt in leitender Funktion bei der RWE-Tochter Innogy, bevor er sich mit seinem Beratungsbüro RBID GmbH selbstständig machte. Die Studie wurde im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des Wirtschaftsverbands Windkraftwerke (WVW) erstellt.
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