Der Chaos Computer Club (CCC) warnt vor gefährlichen Sicherheitslücken bei Wechselrichtern des chinesischen Herstellers Hoymiles. Die angeblich geheimen Schlüssel zur Steuerung der Anlagen seien nach Angaben der Sicherheitsforscher komplett ungeschützt. Das chinesische Unternehmen Hoymiles stelle sich bisher taub.
Ein Sicherheitsforscher hatte ein nicht-dokumentiertes Feature in der Firmware entdeckt, in der über einen Rundruf alle Hoymiles in der Gegend entdeckt werden können. »Als Teil des Antwort-Pakets auf einen solchen Rundruf bläst ein jeder Wechselrichter seine Seriennummer unverschlüsselt und voller Solarkraft in die Umgebung«, so der CCC. Bei experimentellem »War-Walking durch Nachbarschaften« seien so Dutzende verwundbare Kraftwerke identifiziert worden. Die Angriffshardware lasse sich trivial auf eine Drohne schrauben – sofern ihre Hardware nicht eh schon von Haus aus die Protokolle unterstütze.
Die Sicherheitslücken ermöglichen es nach Angaben des CCC, dass mit »Bauteilen aus der Grabbelkiste« PV-Anlagen in ganzen Nachbarschaften im Vorbeifahren abgeschaltet oder dauerhaft physisch zerstört werden können. »Jeder kann mit wenig Know-How und Kosten die Kontrolle über die Inverter übernehmen, sie nach Belieben umkonfigurieren oder die Firmware löschen oder Schadsoftware aufspielen«, heißt es in einem Bericht des CCC. »Offenbar werden die Zügel beim rapiden Ausbaus von regenerativer Stromerzeugung, meist in Balkonsolaranlagen, sehr locker gelassen und Anbieter auf den Markt geduldet, die schon Grundsätze der Anforderungen an Kritische Infrastruktur nicht verinnerlicht haben«.
Der CCC rät: »Betreiber einer PV-Anlage von Hoymiles sollten bis auf weiteres davon ausgehen, dass diese derzeit von jedem mit einem günstigen Funkmodul aus Funkreichweite ferngesteuert werden können. Als Minimalhürde für Gelegenheitsangreifer sollten die Betreiber mit originaler DTU von Hoymiles schnell ein Passwort setzen, auch wenn dies nach aktuellem Wissensstand nicht gegen alle Angriffsvektoren schützt – ironischerweise ausgerechnet nicht dagegen, eine überraschende Fremd-Firmware aufgespielt zu bekommen.«
Dirk Engling, Sprecher des CCC, fordert von Regulierungsbehörden und Politik: »Schluss mit dem Wilden Westen im IoT. Dieser Fall ist ein praktisches Lehrstück dafür, warum ‚Kritische Infrastruktur‘ nicht erst bei großen Kraftwerken beginnt, sondern bereits im Vorgarten. Wenn Tausende Anlagen per Rundruf abgeschaltet werden können, ist das ein systemisches Risiko.«
Bereits im Oktober letzten Jahres hatte ein Student der TU Darmstadt gravierende IT-Sicherheitslücken bei Balkonkraftwerken aufgedeckt. Valentin Conrad konnte bei fast allen Anbietern von Balkonkraftwerk-Wechselrichtern Schwachstellen nachweisen, die es ermöglichen, die Geräte aus der Ferne zu steuern oder abzuschalten. Die untersuchten Balkonkraftwerke stammen von den Herstellern Hoymiles, Deye, Growatt, Anker, AP Systems, Ecoflow und NEP.
Die Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Claudia Plattner, forderte daraufhin eine Zertifizierungspflicht für Energiemanagementsysteme wie Wechselrichter, Wärmepumpen oder Wallboxen.
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