Die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg sowie die Region Dänemark-West planen eine gemeinsame Strompreiszone und haben hierzu eine Kurzstudie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE erstellen lassen. Die im Auftrag der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH (EKSH) erstellte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die als »NordicTwinSeaZone (NTSZ) « bezeichnete neue Strompreiszone Abregelungen reduzieren, Preisextreme glätten und Investitionssignale für flexible Lasten wie Elektrolyseure stärken kann. Laut dem Fraunhofer IEE könne die Nutzung erneuerbarer Energien deutlich verbessert und der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft beschleunigt werden. Das übrige Deutschland würde dann in der Strompreiszone »DE2« verbleiben. Analysiert wurden die Strompreise, die Marktwerte erneuerbarer Energien, die Abregelungen sowie die Wirtschaftlichkeit von Elektrolyseuren im Jahr 2030.
Die Ergebnisse zeigen, dass die NTSZ zu niedrigeren Strompreisen in der Nordregion führt und gleichzeitig Signale für eine zusätzliche flexible Nachfrage setzt. »Wer erneuerbaren Strom dort nutzt, wo er entsteht, reduziert Abregelung, stabilisiert den Markt und erhöht die Versorgungssicherheit – genau hier setzt die NordicTwinSeaZone an«, sagt Felix Frischmuth, Projektleiter am Fraunhofer IEE. Besonders deutlich werden die Vorteile bei einem zusätzlichen Ausbau der Elektrolysekapazitäten in der Nordzone. Bereits bei einem Ausbau von rund drei Gigawatt zeigen die Simulationen signifikante Systemeffekte: Die Abregelung erneuerbarer Energien sinkt deutlich, negative Strompreise gehen um rund ein Drittel zurück und die Marktwerte von Wind- und PV-Strom steigen um mehrere zehn Prozent.
Bereits vor rund einem Jahr hatte der Berliner Thinktank Agora Energiewende zusammen mit dem Fraunhofer IEE die Vorteile mehrerer Strompreiszonen in Deutschland berechnet. Das Festhalten an der einheitlichen Strompreiszone setze zunehmend Fehlanreize, die wiederum Eingriffe der Netzbetreiber zur Stabilisierung des Netzes (Redispatch) in Milliardenhöhe notwendig machten. Eine Umstellung von der einheitlichen Preiszone auf ein System lokaler Preise könne diese Kosten senken und gleichzeitig die Versorgungssicherheit in Deutschland erhöhen, wie die im April 2025 veröffentlichte Studie von Agora Energiewende und Fraunhofer IEE zeigte. Mit lokalen Preisen ließen sich Angebot und Nachfrage gezielter aufeinander abstimmen und das Übertragungsnetz gleichmäßiger auslasten. »Das deutsche Stromsystem mit der einheitlichen Gebotszone ist derzeit blind für die Auslastung des Übertragungsnetzes. Um das Stromsystem zukunftsfest zu gestalten und hohe Kosten zu vermeiden, braucht es Preissignale, die lokale Produktion und Nachfrage realitätsnah abbilden«, sagte Markus Steigenberger, Geschäftsführer der Agora Think Tanks, bei der Vorstellung der Analyse.
Ob es jedoch zu einer Aufteilung der einheitlichen Strompreiszone in Deutschland kommt, ist fraglich. Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag vorerst auf den Erhalt der einheitlichen deutschen Strompreiszone festgelegt.
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