Der Reutlinger Netzbetreiber FairNetz teilt mit, dass neu installierte Photovoltaikanlagen nicht mehr automatisch eine Genehmigung zur Netzeinspeisung erhalten. Als Übergangslösung bietet das Unternehmen eine Nulleinspeisung an. Das bedeutet, dass die Anlagen den Solarstrom nur noch zum Eigenverbrauch produzieren. Sobald die nötigen Netzausbaumaßnahmen abgeschlossen sind, kann die Einspeisegenehmigung nachträglich erteilt werden.
Aktuell speisen rund 11.700 Photovoltaikanlagen Strom in das Netz der FairNetz GmbH ein. Damit ist jedes fünfte Dach im Netzgebiet mit einer PV-Anlage ausgestattet. »Das ist ein Erfolg für die Energiewende, aber auch ein Weckruf«, sagt Thorsten Jansing, Geschäftsführer der FairNetz GmbH. »Unser Netz wurde bekanntermaßen für eine zentrale Stromversorgung durch Großkraftwerke konzipiert und nicht für zehntausend Erzeugerinnen und Erzeuger, die zur gleichen Zeit Strom einspeisen möchten.«
Inzwischen übersteige die installierte Einspeiseleistung jedoch die Spitzenlast im Netzgebiet. Rein rechnerisch produzieren die Anlagen somit mehr Strom, als gleichzeitig verbraucht werden kann. Das Stromnetz hat sich somit von einem reinen Verbrauchsnetz zu einem dezentralen Erzeugungsnetz gewandelt. Das sei schneller geschehen, als es in bisherigen Prognosen vorhersehbar war, teilt FairNetz mit An besonders sonnenreichen Tagen mit gleichzeitig geringem Verbrauch erzeugen Solaranlagen zeitweise mehr Strom, als das Netz aufnehmen oder sinnvoll weiterleiten kann, so der Netzbetreiber. Dieses Ungleichgewicht trete nicht nur lokal auf – am Ostersonntag 2025 überstieg die bundesweite Einspeisung aus erneuerbaren Energien zeitweise sogar den gesamten Strombedarf, wie die Bundesnetzagentur berichtete.
»Solche Extremwerte zeigen, wie notwendig es ist, Netzkapazitäten deutlich schneller auszubauen – und gleichzeitig flexible Lösungen wie Stromspeicher, Verbrauchsmanagement und notfalls auch temporäre Einspeisebegrenzungen zu ermöglichen«, erklärt Mona Keller, Leiterin Netzentwicklung, der FairNetz GmbH.
Insbesondere bei der Suche nach geeigneten neuen Stellplätzen für Ortsnetzstationen stehen Verteilnetzbetreiber aufgrund von begrenzten kommunal verfügbaren Flächen vor Herausforderungen. Deshalb geht die FairNetz hier neue Wege und hofft auf die Unterstützung von Bürgern und Unternehmen im Netzgebiet.
Wer eine geeignete Fläche von ca. 16 Quadratmetern zur Verfügung stellen kann, ist aufgefordert, sich mit dem Netzbetreiber in Verbindung zu setzen.
»Wir setzen alles daran, den Netzausbau in der Region weiter voranzutreiben. Das gelingt nicht über Nacht, aber mit Transparenz, Priorisierung und einem klaren Plan«, so Geschäftsführer Thorsten Jansing. Bereits heute werden besonders betroffene Gebiete priorisiert behandelt – mit dem Ziel, die Einspeisung möglichst bald freigeben zu können.
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