Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat auf seiner Plattform Energy-Charts.info einen Preissimulator veröffentlicht, der den Strompreis in Abhängigkeit zur Speicherkapazität im Netz simuliert. Dabei werden die tatsächlichen Kauf- und Verkaufsgebote der täglichen Strombörsenauktion berücksichtigt und eine frei wählbare Anzahl von Batteriespeichern hinzugefügt. Nutzer können für jede Viertelstunde sehen, wie sich der Börsenstrompreis verändert hätte, wie die Batterien laden und entladen und welchen Ladestand sie haben. Der frei zugängliche Simulator wird täglich mit den neuen Ergebnissen des Stromhandels aktualisiert.
Es lassen sich drei Einstellungen frei kombinieren: Batterieleistung (0 bis 20 Gigawatt), Speicherdauer (zwei bis sechs Stunden) und Marktszenario. Bei letzterem kann man simulieren, ob die Kraftwerke mit ihren mehrstündigen Blockgeboten auf die veränderten Preise reagieren und ob die Nachbarländer über die Strommarktkopplung mitberücksichtigt werden.
Eine Auswertung der Ergebnisse des Jahres 2025 im Szenario mit Blockgeboten und ohne grenzüberschreitenden Stromhandel zeigt die Wirkung der Batteriespeicher: Werden 20 Gigawatt (GW) Batterien mit einer Speicherdauer von zwei Stunden eingesetzt, was einer Kapazität von 40 Gigawattstunden (GWh) entspricht, sinkt der mittlere Preisunterschied über alle Tage zwischen der teuersten und der billigsten Viertelstunde eines Tages von 130 auf 53 Euro pro Megawattstunde (MWh) (minus 60 Prozent). Die Stunden mit Preisen über 200 Euro pro MWh sinken von 169 auf 20 und die Stunden mit negativen Preisen von 575 auf 271. Der Marktwert von Solarstrom steigt um 35 Prozent von 45,08 auf 61,02 Euro pro MWh.
Zwei Tage aus dem Jahr 2025 verdeutlichen die Möglichkeiten von Batteriespeichern: Am 20. Januar 2025, dem teuersten Tag des Jahres, hätten 20 Gigawatt Batterien die abendliche Preisspitze von 583 auf 221 Euro pro Megawattstunde gesenkt. Am 11. Mai, dem Tag mit dem niedrigsten Preis, hätten die Speicher dagegen den Mittagsstrom aufgenommen und den Preis von minus 250 auf minus 20 Euro angehoben.
Das Fraunhofer ISE weist jedoch auch auf die Grenzen des Tools hin. Der Simulator sei eine »Was-wäre-wenn«-Rechnung basierend auf realen Daten, keine Prognose. Er zeigt die Wirkung am Day-Ahead-Markt sowie die Erlöse und den Nutzen der Speicher im Intraday-Handel, bei Systemdienstleistungen und Regelenergie und bei der Entlastung der Netze. »Wie sich Kraftwerke und Nachbarländer an eine dauerhaft größere Speicherflotte anpassen würden, kann kein Rechenmodell auf Basis heutiger Gebote vollständig abbilden«, so das Fraunhofer ISE.
Der Simulator wird am 1.10.2026 um 17 Uhr im Rahmen der öffentlichen und kostenlosen Webinar-Reihe »Energy-Charts Talks« vorgestellt.
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