KNE: Ökologische Folgen von Moor-PV bisher kaum erforscht

Ökologische Folgen
© Rolf Schulten / PHOTON

Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) hat die wichtigsten Erkenntnisse einer im Juni veröffentlichten, 500 Seiten starken Studie des Bundesamtes für Naturschutz zum Thema Moor-PV zusammengefasst. Demnach kommen nur 28,6 Prozent der Moorbodenflächen potenziell für Moor-PV infrage. Von den bundesweit 18.098 Quadratkilometern organischer Böden seien gut 60 Prozent aus fachrechtlichen Gründen grundsätzlich ausgeschlossen, weitere 10 Prozent nur eingeschränkt prüfbar. Das Stromerzeugungspotenzial für Moor-PV falle demnach deutlich niedriger aus als bisher angenommen: Die Studie beziffert es auf 129 bis 311 Gigawatt.

Zudem sei zu den ökologischen Folgen von Moor-PV kaum etwas bekannt. Die Literaturrecherche identifizierte 132 relevante Arbeiten weltweit, davon befassen sich nur 30 direkt mit Anlagen auf Moorböden. Die für belastbare Aussagen notwendigen Vergleiche zwischen dem Zustand vor und nach dem Anlagenbau fehlen demnach fast durchgängig.
Auch der Rechtsrahmen weise Lücken auf. Aktuell gebe es kein gesetzliches Verbot, PV-Anlagen auf entwässerten Moorböden ohne Wiedervernässung zu errichten. Die Rahmenbedingungen für Wiedervernässung und Mehrfachnutzung seien unklar und für die rechtliche Steuerung der Vorhaben müssten Raumordnungs-, Bau- und Naturschutzrecht enger verzahnt werden.

Die Autorinnen und Autoren der Studie plädieren deshalb für ein gesetzliches Verbot, PV-Anlagen auf trockengelegten Moorböden ohne begleitende Wiedervernässung zu errichten. Solche Anlagen sollten außerdem von der EEG-Privilegierung ausgenommen werden. Auf Ebene der Raumordnung empfehlen sie, Vorrang- und Vorbehaltsgebiete stärker zu nutzen, um Moor-PV gezielt zu steuern und Nutzungskonflikte zu vermeiden. Für den sozioökonomischen Ausgleich schlagen sie unter anderem Bürgerbeteiligungsmodelle und eine bessere Honorierung von Ökosystemleistungen vor.

»Moor-PV kann ein Baustein sein, um Wiedervernässung wirtschaftlich attraktiver zu machen – aber nur auf einem kleineren Flächenanteil als bisher angenommen, und nur mit klareren rechtlichen Leitplanken als heute vorhanden«, so das KNE.

© PHOTON

Studie
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