Die Stiftung Klimaneutralität (SKN) schlägt vor, jahreszeitliche Schwankungen bei der Solarstromproduktion mit einem interkontinentalen Stromkabel zwischen Europa und Südamerika auszugleichen. Eine solche Verbindung wäre darüber hinaus vorteilhaft, weil sie einen Stromhandel über drei bis vier Zeitzonen hinweg ermöglichen würde. Die Stromkosten in den angeschlossenen Ländern würden sinken und Dunkelflauten weitgehend vermieden. Einen entsprechenden Vorschlag haben jetzt Rainer Baake, Direktor der Stiftung Klimaneutralität, und Wolf Grossmann vom Wegner Center der Universität Graz veröffentlicht. Das Seekabel würde Deutschland, Belgien und Portugal mit Brasilien, Uruguay und Argentinien verbinden.
Forscher des Wegener Centers der Universität Graz haben den Vorschlag durchgerechnet. Die Studie ermittelt die Kosten für steuerbare Leistung, die durch eine Kombination aus Photovoltaik und Stromspeichern bereitgestellt wird. Mit einer Gesamtlänge von etwa 8.000 km (davon 5.800 km zwischen den Kontinenten) und geschätzten Übertragungskosten von 27-36 Euro/MWh heute beziehungsweise 8-17 Euro/MWh in Zukunft wäre es trotz Leistungsverlusten wirtschaftlich hochattraktiv, so die Einschätzung der Stiftung Klimaneutralität. Ein solches System könne perspektivisch steuerbare Leistung für 68-77 Euro/MWh liefern (6,8 bis 7,7 Cent je Kilowattstunde). »Die Berechnungen zeigen, dass die Verbindung der Hemisphären das Problem der saisonalen Schwankungen elegant löst«, so Baake. »Wenn in Europa Winter herrscht und die Solarerträge niedrig sind, kann Südamerika mit sommerlichen Überschüssen aushelfen – und umgekehrt. Die zusätzliche Zeitverschiebung von 3-4 Stunden optimiert zudem die täglichen Lastspitzen.«
Die Studie geht davon aus, dass bei einem gemeinsamen politischen Willen der beteiligten Staaten das Kabel in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre in Betrieb gehen könnte. »Das vorgeschlagene Interkontinental-Kabel ist keine Alternative zu den dringend benötigten Backup-Kapazitäten für 2030«, stellt Baake klar. »Aber für die zweite Hälfte der 30er und die 40er Jahre, wenn zusätzliche Back-up-Kapazitäten benötigt werden, bietet unser Vorschlag eine wirtschaftlich und politisch überzeugende Ergänzung. Selbst bei konservativen Annahmen wird Sonnenstrom in Kombination mit Speichern aus interhemisphärischer Kopplung mindestens um den Faktor fünf kostengünstiger sein als mit klimaneutralem Wasserstoff betriebene Gaskraftwerke. Wichtig ist, dass alle beteiligten Länder Demokratien mit marktwirtschaftlichen Systemen sind – das schafft Vertrauen und Versorgungssicherheit.«
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