In der Schweiz wird derzeit darüber diskutiert, ob das bestehende Neubauverbot für Kernkraftwerke aufgehoben werden soll. Vor diesem Hintergrund hat der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse die Förderkosten verschiedener Energiequellen verglichen und kommt zu dem Schluss, dass neue Kernkraftwerke weniger Förderung bräuchten als Dachsolaranlagen heute erhalten. Dabei hat der Verband keine eigenen Berechnungen angestellt, sondern aktuelle Datenbestände von Verbänden, Universitäten und Unternehmen herangezogen.
Laut Economiesuisse liegen die Subventionen für PV-Dachanlagen demnach heute bei 5,6 bis 7,5 Rappen pro Kilowattstunde (6,1 bis 8,1 Eurocent/kWh). Für neue Kernkraftwerke nennt der Verband unter Verweis auf eine Studie der ETH Zürich 1,1 bis 5,1 Rp/kWh (1,2 bis 5,1 Eurocent/kWh). Der höhere Wert beinhaltet staatliche Kreditgarantien, die laut ETH zur Risikominimierung für Investoren erforderlich sind. Eine zweite Studie, die Economiesuisse heranzieht, stammt vom Schweizer Energieversorger Axpo. Dieser sieht einen Förderbedarf zwischen 1,6 und 9,1 Rp/kWh (1,7 bis 9,9 Eurocent/kWh). In Bezug auf mögliche Fördermechanismen in der Schweiz entspräche dies einer gleitenden Marktprämie von 80 bis 155 CHF/MWh über die gesamte Lebensdauer des Kernkraftwerks oder alternativ einem Investitionsbeitrag von 36 bis 77 Prozent, so Axpo.
Bei den Angaben zum Förderbedarf für PV-Dachanlagen bezieht sich der Verband auf Daten des Schweizer Dienstleistungsunternehmens Enerprice. Dabei wird von einer Dachanlage mit einer Leistung von zwölf Kilowatt und einem Anschaffungspreis von 23.000 CHF (25.000 Euro bzw. 2.080 Euro je Kilowatt) ausgegangen. Die kantonale bzw. kommunale Förderung wird beispielhaft anhand der Gemeinden Basel, Bern und Zürich berechnet, die allesamt zusätzliche Förderprogramme für PV-Anlagen aufgelegt haben.
Im Ergebnis vergleicht Economiesuisse somit die aktuellen Förderkosten besonders kleiner PV-Anlagen mit besonders hohen Anschaffungskosten, die in Städten mit besonders großzügigen Förderbedingungen installiert sind, mit den Kosten neuer Kernkraftwerke, die nach Einschätzung von Axpo frühestens ab dem Jahr 2050 Strom liefern könnten.
Für einen etwas realistischeren Vergleich hätte der Verband auf die ebenfalls von Axpo durchgeführte Förderkostenanalyse zur Photovoltaik zurückgreifen können. Diese bezieht auch Freiflächenanlagen mit ein und nicht nur die »kleinteilige Dach-PV«, die laut Axpo »sehr teuer pro produzierter MWh Strom« ist. Darüber hinaus prognostiziert Axpo die zu erwartenden Stromgestehungskosten großer Solarparks in der Schweiz für die Jahre 2035 und 2050: Bereits für das Jahr 2035 seien demnach nur noch 2,0 Rp/kWh Förderung nötig. Für das Jahr 2050 macht Axpo keine konkrete Angabe, aus einer Grafik geht jedoch hervor, dass sich der Förderbedarf weiter gegen Null nähert.
Zwar gibt es bislang noch kaum PV-Freiflächenanlagen in der Schweiz, das Potenzial ist aber auf jeden Fall vorhanden. In der Axpo-Studie zur PV heißt es: »Der theoretisch mögliche Ertrag, welcher durch Freiflächen-PV (…) erzielt werden könnte, kann mithilfe der Annahmen des ARE und BFE grob auf 222 bis 485 TWh geschätzt werden.« Zum Vergleich: Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) geht für das Jahr 2050 von einem jährlichen Strombedarf von 90 TWh aus.
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