Das Schweizer Nationale Testinstitut für Cybersicherheit (NTC) warnt, dass die steigende Zahl privater Hausdachanlagen eine unterschätzte Angriffsfläche für das Stromnetz darstelle. Um das Sicherheitsniveau der Schweizer PV-Anlagen einzuschätzen hat das Institut über rund ein Jahr elf digitale Produkte von acht Herstellern einer umfassenden Sicherheitsanalyse unterzogen: sieben Wechselrichter und vier Energiemanagementsysteme. Dabei seien über 50 Befunde identifiziert worden, darunter sieben kritische und sechs hohe. Die Sicherheitslücken seien den Herstellern vertraulich gemeldet worden. Die meisten hätten daraufhin rasch reagiert, bei einigen Produkten sei die Behebung der Schwachstellen jedoch noch im Gange sei.
Der öffentliche Bericht steht auf Website des Instituts zur Verfügung. Auf Produktnamen und technische Details wurde bewusst verzichtet. Beschrieben werden stattdessen typische Risikomuster:
- Mängel bei Authentifizierung und Zugriffskontrolle, etwa Standardpasswörter
- unsichere Wartungszugänge, etwa mit identischen Zugangsdaten für die ganze Geräteflotte
- fehlende oder schwache Verschlüsselung der Kommunikation über lokale Schnittstellen
- Schnittstellen, die sich nicht deaktivieren lassen
Wie konkret dieses Risiko ist, zeigt ein reales Muster aus der Untersuchung: »Bei nahezu allen geprüften Wechselrichtern lässt sich über die lokale Steuerschnittstelle ohne Anmeldung verändern, wie viel Leistung die Anlage einspeist – bis hinunter auf null«, teilt NTC mit. Für sich genommen beträfe dies zwar nur eine einzelne Anlage. Kontrolliere ein Angreifer jedoch die Cloud eines Herstellers, könne er dieselbe Manipulation gleichzeitig bei Tausenden von Anlagen auslösen. »Die einzelne Solaranlage auf dem Hausdach ist für das Netz bedeutungslos – der Bestand als Ganzes ist kritische Infrastruktur«, so NTC.
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