Laut einer heute veröffentlichten Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) könnte der Essener Energiekonzern Eon wirtschaftlich am stärksten vom Redispatch-Vorbehalt profitieren. Ein Großteil der abgeregelten Strommengen entfalle nämlich auf die Verteilnetze von Eon. Laut BNE sind dies 73 Prozent aller Redispatch-Mengen, obwohl Eon nur 26,1 Prozent der Netzanschlusspunkte betreibt. Der Redispatch-Vorbehalt basiert auf einem Modell der Eon-Tochter Edis und ist ein zentraler Bestandteil des Netzanschlusspakets, das derzeit zusammen mit der EEG-Novelle von den Regierungsfraktionen verhandelt wird.
Redispatch wird notwendig, wenn Strom wegen eines Netzengpasses nicht vollständig aufgenommen oder transportiert werden kann und Wind- oder Solarparks daher abgeregelt werden müssen. Die Ausgleichszahlungen an die Anlagenbetreiber werden aktuell noch als nicht beeinflussbare Kosten über die Stromkunden refinanziert. Ab 2026 sollen die Redispatchkosten der Verteilnetzbetreiber jedoch als variable Kosten gelten und in den Effizienzvergleich der Verteilnetzbetreiber einfließen. Ein hoher Redispatch deutet laut Bundesnetzagentur auf einen mangelnden Netzausbau oder eine ineffiziente Netzführung hin. Die betroffenen Netzbetreiber sollen so finanzielle Anreize erhalten, Netzengpässe durch Netzausbau, Netzoptimierung und ein effizienteres Engpassmanagement zu begrenzen.
Der Redispatch-Vorbehalt durchbricht diese Logik allerdings: Werden neue Anlagen abgeregelt, für die der finanzielle Ausgleich zukünftig eingeschränkt werden soll, sinken die entsprechenden Kosten des Netzbetreibers. Fallen diese niedrigeren Kosten in ein für den Effizienzvergleich maßgebliches Basisjahr, kann sich die regulatorische Kostenposition des Netzbetreibers dadurch verbessern.
Die Kosten sinken dann jedoch nicht, weil das Netz besser geworden ist, sondern weil ein Teil der wirtschaftlichen Folgen des Engpasses auf die Betreiber neuer Erzeugungsanlagen verlagert wird.
Deshalb fordert der BNE, den Redispatch-Vorbehalt zu streichen. Dieser gehe völlig in die falsche Richtung und trage nichts zur Beendigung der Netzkrise bei. Der neue Effizienzdruck auf die Redispatchkosten sollte wie geplant wirken und nicht durch eine zusätzliche Sonderregelung abgeschwächt werden.
»Die Bundesregierung muss Energiepolitik für das ganze Land machen und darf sich nicht vor den Karren einzelner Konzerne spannen lassen. Die Netzkrise lösen wir, indem wir Engpässe beseitigen, statt ihre Kosten auf die Erneuerbaren abzuwälzen. Der Redispatch-Vorbehalt setzt genau den falschen Anreiz: Der Netzbetreiber wird auf dem Papier effizienter, obwohl der Engpass bleibt«, so Robert Busch, Geschäftsführer des BNE.
© PHOTON


