Deutsche Städte und Landkreise können ihre Einnahmen aus erneuerbaren Energien mehr als verdoppeln, wenn sie die Ausbauziele für Wind- und Solaranlagen erreichen: von heute 5,5 auf 12,4 Milliarden Euro jährlich ab dem Jahr 2033. Das ist das Ergebnis der Studie „Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch erneuerbare Energien“ des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln Consult (IW Consult) im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE). Die Studienautoren empfehlen Bund und Ländern, es den Kommunen durch Beratung und Informationen sowie durch geeignete Rahmenbedingungen zu ermöglichen, ihre regionalwirtschaftlichen Möglichkeiten besser auszuschöpfen.
Das Projekt zeigt mit Modellierungen für alle rund 400 deutschen Landkreise und Städte sowie Analysen von Praxisbeispielen in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern, dass erneuerbare Energien die Regionen in Zeiten von Energiekrisen nicht nur unabhängiger bei ihrer Energieversorgung machen: Vor allem ländliche Regionen mit entsprechenden Flächenpotenzialen profitieren von der lokalen Energieerzeugung – mit mehr Steuereinnahmen, neuen Arbeitsplätzen und Gewinnen ansässiger Unternehmen. Sie erhalten dadurch größere finanzielle Spielräume etwa für bessere Infrastruktur.
»Überall in Deutschland gibt es bereits Pionierregionen, die den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht nur unterstützen, sondern als strategischen Hebel für ihre eigene Entwicklung nutzen. Diese Vorbilder zeigen, was möglich ist. Wenn die Regionen voneinander lernen, wird die Energiewende für alle zum wirtschaftlichen Gewinn«, so Frederick Sixtus, Co-Autor der Studie und Projektkoordinator am Berlin-Institut.
Wind- und Solarenergie erzeugten 2023 bundesweit zehn Milliarden Euro direkte Wertschöpfung und rund 51.000 Vollzeitarbeitsplätze. Davon verblieben als regionale Effekte bis zu 5,5 Milliarden Euro direkt in den Standortregionen. Erreicht Deutschland seine Ausbauziele erneuerbarer Energien, kann die direkte Wertschöpfung auf etwa 21 Milliarden Euro jährlich ab dem Jahr 2033 steigen, die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze auf 101.600. Mit entsprechend notwendigen Anreizen auf dem Arbeitsmarkt für Fachkräfte kann das auch in dünn besiedelten, ländlichen Regionen gelingen, so die Einschätzung der Forschenden. Rund 12,4 Milliarden Euro würden in dem Szenario vor Ort bleiben und könnten so gezielt zur Entwicklung strukturschwacher Regionen beitragen.
Weil ein Teil – vor allem der Großanlagen – nicht lokalen Akteuren, sondern externen Investoren gehört, fließt allerdings knapp die Hälfte der Gewinne aus den Standortregionen ab. »Finanzielle Beteiligungsmodelle, Bürgerenergiegesellschaften und kommunale Investitionen könnten dafür sorgen, dass mehr Wertschöpfung vor Ort bleibt und mehr Anwohner*innen von der Energiewende profitieren. Das kann außerdem die Akzeptanz erhöhen«, betont Steven Salecki, Co-Autor der Studie und Volkswirt am IÖW.
© PHOTON


