Ein Forscherteam des vom Bundesforschungsministerium geförderten Kopernikus-Projekts Ariadne hat Zusammenhänge zwischen politischen Maßnahmen und spezifischen Marktversagen für saubere Energiegüter untersucht: Globale Importabhängigkeiten gefährden den lokalen Markt – besonders dann, wenn die Einfuhr eines Guts oder einer Technologie aus wenigen Ländern oder nur einem Land einen hohen Anteil am Gesamtinlandsverbrauch ausmacht.
Der Ariadne-Report des Teams von Climate Transition Economics, dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dem Joint Research Centre of the European Commission, dem Center for Energy and Environmental Policy Research und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zeigt auf, wie Importabhängigkeiten sich bei verschiedenen Gütern unterscheiden. Die Autoren differenzieren zwischen Marktversagen, die zu einer zu geringen inländischen Produktion führen und solchen, die eine zu geringe Diversifizierung und damit zu geringe Resilienz zur Folge haben. Zu ersterem zählen beispielsweise die Konzentration der Produktion auf wenige Standorte, weil die Stückkosten bei höheren Mengen niedriger sind. Zweiteres geht zum Beispiel auf Informations- und Koordinationsprobleme innerhalb der Lieferkette zurück. Darüber hinaus investieren Unternehmen zu wenig in vorsorgende Lagerhaltung und diversifizierte Lieferketten, weil sie erwarten, dass in Krisenzeiten der Staat einspringt.
Die Autoren warnen vor allgemeinen Handelsbeschränkungen. Obwohl diese ein naheliegender Weg seien, um inländische Hersteller vor ausländischer Konkurrenz zu schützen, erhöhten sie die Kosten für importierte Güter. Handelspartner könnten außerdem mit eigenen Handelsbarrieren reagieren.
Die Nachfrage nach importierten Gütern könne durch den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft verringert werden. Zusätzlich schlagen die Forschenden Handelsquoten und gestaffelte Zollkontingente vor, die sicherstellen, dass der Importanteil aus einem einzelnen Land unter einem festgesetzten Schwellwert bleibt. »Zollkontingente wurden beispielsweise für Elektro- und Hybridfahrzeuge in Brasilien eingeführt. Wenn die Importe von einem einzelnen Handelspartner das festgelegte Kontingent überschreiten, greift für alle zusätzlichen Importe aus diesem Land ein höherer Zollsatz«, erklärt Mit-Autor Joschka Wanner von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Damit Deutschland künftig nicht in neue Importabhängigkeiten gerät, sollte es sich mit einem Instrumentenmix aufstellen, der Marktversagen möglichst gezielt angeht, ohne den internationalen Handel übermäßig zu beschränken, so das Fazit.
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