Extreme Hitze entwickelt sich zu einer wachsenden Belastung für die deutsche Wirtschaft. Laut einer Analyse des Kreditversicherers Allianz Trade könnten sich die wirtschaftlichen Verluste in Deutschland zwischen 2026 und 2030 auf insgesamt rund 131 Milliarden US Dollar (113 Mrd. Euro) summieren, wenn sich die Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts wiederholen.
»Teile von Europa ächzen bereits unter der ersten Hitzewelle – und der Sommer kommt erst noch«, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
»Extreme Hitze ist längst kein kurzfristiges Wetterphänomen mehr, sondern ein struktureller wirtschaftlicher Schock. Ab Temperaturen über 30 Grad schmilzt die Produktivität und Energiekosten steigen – das lähmt industrielle Volkswirtschaften wie Deutschland. Der größte Schaden entsteht aber nicht heute, sondern morgen, denn sinkende Renditeerwartungen bremsen Investitionen – und damit die zukünftige Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland muss deshalb anfangen, mit Hitze zu planen.«
Hitze wirkt dabei gleichzeitig über zwei Kanäle – beide belasten Unternehmen laut Allianz massiv: Pro zusätzlichem Grad über 30 °C sinkt die Produktivität um etwa drei Prozent. Gleichzeitig steigen die Energiekosten um etwa 1,2 Prozent pro Grad durch einen höheren Kühlbedarf. Auch für den Staat habe die Entwicklung Folgen: »Die jährlichen Steuereinnahmen fallen in Deutschland rund 0,7 Prozent niedriger aus, gleichzeitig steigen Ausgaben beispielsweise für Gesundheit, Infrastruktur und soziale Sicherungssysteme. Im Schnitt verschlechtert sich die Haushaltslage hitzebedingt um etwa 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Jahr«. Damit stehe Deutschland fiskalisch zwar besser da als Frankreich oder Italien – aber der Spielraum für zusätzliche Belastungen werde enger.
»Die grüne Transformation und die Anpassung an den Klimawandel sind mittlerweile zentrale Fragen der Wirtschaftspolitik, die weit über den Umweltbereich hinausgehen«, sagt Hazem Krichene, Senior Klimaökonom bei Allianz Research. »Länder, die bei der Infrastruktur sowie beim Schutz von Unternehmen und Arbeitnehmern schneller vorankommen, werden im Vorteil sein. Europa muss Schritt halten.«
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