Studie: Deutschland hinkt bei direkten Stromlieferverträgen hinterher

In Skandinavien, Großbritannien, Spanien und Portugal sowie den USA boomt der Markt für langfristige Stromlieferverträge (PPA, Power Purchase Agreements) mit Betreibern von Solar- und Windkraftwerken, Deutschland hinkt in diesem Segment hinterher, heißt es in einer Studie des in Berlin ansässigen Beratungsunternehmens Aurora Energy Research. Das vorhandene Potenzial sei »noch weitgehend ungenutzt«. Den Angaben zufolge verbrauchen Industrie und Gewerbe pro Jahr rund 380 Terawattstunden Strom, von denen allein die 200 größten deutschen Unternehmen gut 50 über PPAs mit einem Volumen von 51 Terawattstunden einkaufen könnten, ein Marktvolumen von rund zwei Milliarden Euro. »Das entspricht zwischen 17 und 23 Gigawatt erneuerbarer Kraftwerksleistung.« Durch den Kohleausstieg könnten durch die Nachfrage großer Versorger weitere sechs bis acht Gigawatt dazukommen.
In den vergangenen zwei Jahren wurden allein in Skandinavien PPAs für rund 4,3 Gigawatt Kraftwerksleistung geschlossen, darunter das weltweit bislang größte, mit dem sich der norwegische Aluminiumhersteller Norsk Hydro für 19 Jahre den Strom aus dem schwedischen 650 Megawatt leistenden Onshore-Windpark »Markbygden« sichert. Allein dieser Vertrag sei »mehr als zehnmal so groß wie alle im gleichen Zeitraum abgeschlossenen PPAs in Deutschland zusammen«.
Für die Abnehmer sei vor allem die Planungssicherheit bei den Energiekosten interessant, weil der Strompreis für die gesamte Laufzeit des PPA ausgehandelt und festgelegt wird, erklärt Peter Baum, Autor der Studie. Für die Stromerzeuger dagegen böten PPAs die Chance, Windkraft- oder Photovoltaikanlagen auch ohne Subventionen wirtschaftlich zu betreiben, indem Risiken und damit Kapitalkosten gesenkt werden.
Mit dem Auslaufen der EEG-Förderung für ältere Anlagen komme zwar Bewegung in den Markt und viele Betreiber arbeiteten an entsprechenden Angeboten. Doch noch sei die Nachfrage gedämpft, unter anderem »weil die Finanzierung für die Abnehmer häufig teuer ist und so die Wirtschaftlichkeit« leide. Mit sinkenden Technologiekosten »dürfte das Interesse steigen, zumal im Zuge der Klimaschutzdebatte immer mehr Unternehmen gezielt grünen Strom beziehen wollen«. Die Politik könne die Entwicklung durch staatliche Kreditbürgschaften unterstützen.
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