Russischer Aktivist Wladimir Sliwjak ist »Schönauer Stromrebell 2022«

Der russische Umweltaktivist Wladimir Sliwjak ist »Schönauer Stromrebell 2022«. Der von der EWS Elektrizitätswerke Schönau eG, den Schönauer Energie-Initiativen und der Stadt Schönau in diesem Jahr zum neunten Mal verliehene Preis ehrt Menschen, »die sich durch ihr jahrelanges Engagement im Umweltbereich verdient gemacht und durch konsequentes Handeln besondere Zeichen gesetzt haben«.
Sliwjak, der seit 2021 auch Träger des Right Livelihood Award (»Alternativer Nobelpreis«) ist, gründete 1989 als Schüler in seiner Heimatstadt Kaliningrad die Umweltschutzorganisation Ecodefense. Später engagierte er sich im Kampf gegen Atomkraftwerke. 2014 konnte er durch die Veröffentlichung geheimer Verträge ein Projekt zum Bau von acht russischen Kernreaktoren in Südafrika aufdecken, das dann vor südafrikanischen Gerichten scheiterte. Ecodefense informierte auch in nationalen und internationalen Kampagnen über die zerstörerischen Auswirkungen des Steinkohleabbaus im sibirischen Kusbass. Die Verbindungen der Familie Wladimir Putins zu den Kohlekonzernen waren ebenfalls Thema dieser Kampagnen.
Die Arbeit von Ecodefense wird aufgrund russischer Gesetze seit 2014 als ausländische Agententätigkeit diffarmiert. Die Co-Vorsitzende Alexandra Korolewa floh 2019 nach Deutschland, 2021 ging Wladimir Sliwjak ebenfalls hierher ins Exil. In seiner Dankesrede ging er auch auf den Krieg in der Ukraine ein: »Als Russe fordere ich die russischen Truppen auf, die Ukraine sofort zu verlassen und das Volk in Frieden und Demokratie leben zu lassen.«
Die EWS gingen 1994 aus einer Bürgerbewegung hervor, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl entstanden war. Nach einem Bürgerentscheid übernahmen sie 1997 das Elektrizitätsnetz der Stadt und stellten die Versorgung auf erneuerbare Energien um. Inzwischen sind sie ein bundesweit tätiger Ökostromversorger.
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