Neue Ausschreibungsrunde zeigt: Vergütungen sind nicht marktgerecht

Entwicklung der EEG-Vergütungszahlungen sowie der bei Ausschreibungen ermittelten Zuschlagswerte (Zur Kategorie »sonstige Anlagen« gehören Freiflächen in Ausnahmefällen sowie Anlagen auf Gebäuden, die keine Aufdachanlagen im Sinne des EEG sind wie z.B. Nicht-Wohngebäude im Außenbereich.)

Die Bundesnetzagentur hat am 24. Juni die Ergebnisse der aktuellen Ausschreibungsrunde mit Gebotstermin 1. Juni für Solarkraftwerke bekannt gegeben. Obwohl das ausgeschriebene Volumen von knapp 96,4 Megawatt mit eingereichten Geboten für 447,2 Megawatt um mehr als das Vierfache überzeichnet war, blieben die Zuschlagspreise gegenüber den vorangegangenen Runden weitgehend konstant. Damit hat sich der Abstand zwischen dem Niveau der Ausschreibungen und den über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebenen Vergütungssätzen weiter verringert.
In der Juni-Ausschreibung wurden Zuschläge für 4,90 bis 5,40 Cent je Kilowattstunde erteilt, der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert betrug 5,27 Cent. In der letzten Ausschreibung mit Gebotstermin 1. April – einer gemeinsame Runde für Wind- und Solarkraftwerke, bei der aber ausschließlich Gebote für Photovoltaik eingereicht wurden – lag der Wert bei 5,33 Cent, bei der letzten reinen Solarausschreibung mit Gebotstermin 1. März bei 5,18 Cent.
Im Vergleich zum historischen Tiefststand des bei Solarausschreibungen erzielten durchschnittlichen Zuschlagswerts von 4,33 Cent im Februar 2018 liegt der Wert der aktuellen Runde um 21,7 Prozent höher. Die Entwicklung der in Ausschreibungen ermittelten Solarstrompreise trennt sich damit immer mehr von derjenigen des »atmenden Deckels« für die im EEG definierten Vergütungen, genauer: dem so genannten »anzulegenden Wert«, auf dessen Basis dann eine je nach Anlagenkategorie variierende Einspeisevergütung oder die bei der Direktvermarktung (obligatorisch für Anlagen ab 100 Kilowatt) geltende Marktprämie ermittelt wird.
Der atmende Deckel sieht eine vom jeweiligen Zubau abhängige, monatliche Absenkung der Vergütungssätze vor. Diese Degression wurde wirksam, nachdem sich der deutsche Solarmarkt 2018 nach mehreren extrem schwachen Jahren wieder zu erholen begann und dem entsprechend die Zubauzahlen stiegen. Dies führte in der Folge auch zu höheren Degressionssätzen von 1,0 bis 1,4 Prozent monatlich. In der Konsequenz sind die Einspeistarife deshalb von Juli 2018 bis Juni 2020 um rund ein Viertel gesunken. Aufgrund einer außerordentlichen Absenkung im Frühjahr 2019 sanken sie bei den für den Gesamtausbau der Photovoltaik besonders wichtigen Aufdachanlagen bis 100 beziehungsweise bis 750 Kilowatt sogar um rund ein Drittel. Die durchschnittlichen Zuschlagswerte bei Ausschreibungen liegen aktuell hingegen um 21,7 Prozent höher als im Juli 2018.
Dem entsprechend hat sich auch der Abstand zwischen dem Preisniveau der Ausschreibungen und den gesetzlich definierten Vergütungen verringert. Im Juli 2018 lag der Tarif für Aufdachanlagen bis 100 Kilowatt mit 10,61 Cent um 131 Prozent über dem – zu diesem Zeitpunkt mit 4,59 Cent sehr niedrigen – Niveau der Ausschreibungen. Aktuell beträgt der Abstand nur noch knapp 33 Prozent.
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