Manz steigt aus Dünnschicht-Solartechnik aus

Der Produktionsanlagenhersteller Manz AG aus Reutlingen nimmt »keine weiteren technologischen Entwicklungen im Bereich der CIGS-Dünnschicht-Solartechnologie vor« und hat die »Marktbearbeitung« auf diesem Gebiet eingestellt. Das teilte das Unternehmen mit, nachdem es das seit 2017 verfolgte Projekt für eine CIGS- (Kupfer-Indium-Gallium-Selenid) Modulproduktion der Chongqing Shenhua Thin Film Solar Technology Co. Ltd. in China endgültig für beendet erklärt hat.
Im Januar 2017 hatte Manz, bis dahin einer der weltweit bedeutendsten Anbieter für CIGS-Produktionstechnik, eine strategische Zusammenarbeit mit der Shanghai Electric Group Co. Ltd. und der Shenhua Group Co. Ltd. bekannt gegeben. Seinerzeit waren 263 Millionen Euro Auftragsvolumen für eine »CIGSfab« mit 306 Megawatt Jahreskapazität und eine Forschungslinie mit 44 Megawatt vereinbart worden. Manz hatte hierfür zwei Gemeinschaftsunternehmen mit den beiden Geschäftspartnern gegründet und seine damalige CIGS-Forschungsgesellschaft (Manz CIGS Technology GmbH) an eines dieser Gemeinschaftsunternehmen verkauft.
Die ursprünglich für 2018 angekündigte Fertigstellung der Produktionslinie hatte sich immer weiter verzögert und war im Dezember auch mit Verweis auf die COVID 19-Pandemie unterbrochen worden. Manz hatte bis dahin nach eigenen Angaben rund 175 Millionen Euro an Zahlungen erhalten, aber Leistungen mit einem Gesamtwert von 198 Millionen Euro erbracht. Man sei »bislang davon ausgegangen, dass der Kunde die damit verbundenen vertraglich noch ausstehenden Zahlungen erfüllen wird«. Hierüber habe man jedoch »wider Erwarten« kein Einvernehmen erzielt. Die Manz AG werde deshalb nun versuchen, »über den gerichtlichen Weg ihre Ansprüche geltend zu machen«.
Aufgrund dieser Entscheidung und weiterer, auch andere Geschäftsbereiche betreffenden Faktoren will der Vorstand die Prognose für das laufende Geschäftsjahr korrigieren; diese soll am 4. August mit dem Bericht für das erste Halbjahr vorgestellt werden. Schon das Geschäftsjahr 2021 war von guten Ergebnissen insbesondere bei Produktionstechnik für Batterien (Segment »Energy storage«), aber negativen Effekten des CIGS-Segments geprägt. Nach der endgültigen Aufgabe dieses Geschäftsbereichs werde man seine Kräfte »konsequent auf die Umsetzung unserer Wachstumsstrategie in den Branchen Automobil und Elektromobilität, Batteriefertigung, Elektronik, Energie sowie Medizintechnik richten«.
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