Finanzinstitute und Versicherungen ziehen sich zunehmend aus Kohle-Investments zurück und bevorzugen Erneuerbare

Fünf asiatische Finanzinstitute haben angekündigt, sich von der Finanzierung von Kohlekraftwerken zu lösen. Nach Angaben des US-Beratungsunternehmens IEEFA (Institute for Energy Economics and Financial Analysis) haben die drei großen Banken Singapurs - DBS Group Holdings, United Overseas Bank (UOB) und die Oversea-Chinese Banking Corporation (OCBC), zweitgrößter Kreditgeber Südostasiens - jeweils eine Beendigung der Finanzierung neuer Kohlekraftwerke angekündigt. Bereits im März hatte die chinesische State Development & Investment Corporation (SDIC) erklärt, vollständig aus dem Kohlebergbau auszuscheiden. Im April hatte die japanischen Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG), größte Bank der Welt außerhalb Chinas, einen Kohleausstieg vernelded. Dies unterstreiche die wachsende Besorgnis über die zunehmenden Risiken von Investitionen in der Kraftwerksindustrie.
Die indische Regierung verlagere die Abhängigkeit von importierter Kohle. Tata Power, das größte private integrierte Energieunternehmen, sei heute einer der führenden indischen Investoren für erneuerbare Energien und »unterstützt den Wandel im Stromsektor durch seinen kürzlich bekannt gegebenen Rückzug aus dem Bau neuer Kohlekraftwerke«, so die Analysten.
In den letzten sechs Monaten hätten laut IEEFA führende japanische Handelshäuser (Marubeni, Sojitz Corp., ITOCHU, Mitsui und Mitsubishi) erklärt, dass sie keine neuen Kraftwerkskapazitäten mehr besitzen oder in diese investieren werden. Finanzinstitute wie Sumitomo Mitsui Trust Bank, Nippon Life Insurance, Dai-Ichi Life Insurance und MUFG überprüften ebenfalls ihre Geschäftsmodelle sowie die Abwendung von oder partielle Beschränkungen im Kohlesektor. Umweltminister Yoshiaki Harada habe im März 2019 eine politische Initiative in die Wege geleitet und verkündet, dass das Ministerium den Bau neuer Kraftwerksanlagen und die Modernisierung bestehender Anlagen nicht mehr fördern werde.
Südkorea kündigte den Angaben zufolge den Entwurf eines Energie-Masterplans an, um von Kohle und Kernenergie wegzukommen und das Engagement in erneuerbare Energien und Gas zu verstärken. China, weltweit größter Importeur, Produzent und Verbraucher von Kraftwerkskohle, müsse »noch handeln, um die Finanzierung und den Bau neuer Kohlekraftwerke zu begrenzen«, aber die Signale der SDIC Bank, Kohleinvestitionen zu beenden, könnte bereits auf eine Änderung der strategischen Ausrichtung des Landes hindeuten. Thailand hat seinen Energieentwicklungsplan 2018-2037 aktualisiert und sein Ziel für den Anteil von Kohle im Kraftwerksmix bis 2037 auf zwölf Prozent halbiert, gegenüber dem bisherigen Ziel von 25 Prozent bis 2036.
Im Februar berichtete das Institut, dass über 100 Finanzinstitute (verwaltete Vermögenswerte: mehr als zehn Milliarden Dollar) beabsichtigen, global aus Investitionen in die Kohleindustrie auszusteigen. Im Mai zählte die Unternehmensberatung bereits 112 weltweit tätige Institute, die einen Kohleausstieg planen: »Jede Woche im Jahr 2019 hat mindestens ein weltweit bedeutendes Finanzinstitut einen Ausstieg aus dem Kohlesegment angekündigt«, so das Beratungsunternehmen.
Darüber hinaus haben zwei führende europäische Versicherer, UNIQA in Österreich und MAPFRE in Spanien, und der französische Vermögensverwalter BNP Paribas in Frankreich im März 2019 Beschränkungen bei der Finanzierung oder Versicherung für Kohlekraftwerke eingeführt. Im April 2019 kündigte die australische QBE-Versicherung die Einstellung der Investitionen in und der Versicherung von Kohleprojekten an; die Schweizer UBS kündigte eine aktualisierte Kohle-Ausstiegspolitik an; der norwegische Government Pension Fund Global bestätigte, dass er nun in nicht börsennotierte erneuerbare Energieinfrastrukturen investieren werde; der große deutsche Versicherer Hannover Re meldete eine langfristige Reduzierung seines Kohle-Engagements.
Laut IEEFA »setzt die globale Finanzindustrie ihre Kapitalflucht aus Kohle und Kohlekraftwerken fort«, unter Hinwendung zu erneuerbaren Energien.
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