Erneuerbare erreichen 49 Prozent Anteil am deutschen Stromverbrauch – Experten warnen vor Abhängigkeit von China

Deutschlands Bruttostromverbrauch wurde im ersten Halbjahr 2022 zu 49 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt. Laut einer (derzeit noch vorläufigen) Auswertung der vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) geführten Statistik ist dies eine Steigerung um sechs Prozentpunkte gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Allerdings ist gleichzeitig auch der Bruttoinlandsverbrauch leicht von 283 auf 281 Terawattstunden (TWh) gesunken.
Die Bruttostromerzeugung (inklusive Exporte) ist im ersten Halbjahr mit 298 TWh hingegen leicht gestiegen (1. Halbjahr 2021: 293 TWh). Hierzu trugen Erneuerbare mit insgesamt 139 TWh knapp 47 Prozent bei. Windkraft an Land deckte mit 59 TWh knapp 20 Prozent der Erzeugung, Photovoltaik mit knapp 33 TWh etwa 11 Prozent und Biomasse mit 24 TWh rund 8 Prozent. Windkraft auf See trug 12 TWh (4 Prozent) bei, Wasserkraft 9 TWh (3 Prozent). Mit konventionelle Energien wurden knapp 159 TWh erzeugt, im Vorjahreszeitraum waren es 170 TWh.
Die Steigerung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien verdankt sich vor allem einer jeweils rund 20-prozentigen Zuname bei Wind- und Solarstrom, bedingt durch einen »windreichen Jahresbeginn im Januar und Februar und zahlreichen Sonnenstunden in Mai und Juni.«
BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae wies angesichts der Zahlen auf den dringend notwendigen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien hin. Vor allem bei Windenergie an Land seien fehlende Flächen ein »Hemmschuh«. Der geschäftsführende Vorstand des ZSW Frithjof Staiß erklärte mit Bezug auf das angestrebte Ausbautempo der Photovoltaik, das hiermit verbundene jährliche Investitionsvolumen »in einer Größenordnung von 150 Milliarden Euro« werde »aus heutiger Sicht zu einem großen Teil nach China fließen«. Die Abhängigkeit von chinesischen Herstellern stelle »ein erhebliches Risiko« für die Realisierung der Ausbauziele dar. Die Bundesregierung müsse sich deshalb unter anderem auf EU-Ebene für ein »Important Project of Common European Interest« (IPCEI) für die Photovoltaik einsetzen, wie es für die Bereiche Batterien und Wasserstoff bereits existiert.
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