Die Schweiz liegt bei der Solar- und Windstromproduktion europaweit auf den hintersten Rängen
Beitragsdatum: 30.05.2019 - 09:41
Die Schweiz ist bei der Solar- und Windstromproduktion europaweit nach wie vor unter den Schlusslichtern. »Während der Ausbau der Photovoltaik zaghaft voranschreitet, stagniert die Windstromproduktion auf tiefem Niveau«, so Schweizerische Energie-Stiftung (SES) in ihrer diesjährigen Kurzstudie. Der Gesamtanteil der neuen erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bleibe marginal. »Um die Energiewende in der Schweiz voranzubringen, ist eine gezielte Förderung notwendig«, mahnt die Stiftung und wiederholt damit inhaltlich die Forderung von Mai 2018 im Rahmen ihres letztjährigen europäischen Rankings.
Die SES hat den Ausbau von Sonnen- und Windenergie der Schweiz im europäischen Vergleich untersucht. Hierzu wurde die jährliche Sonnen- und Windstromproduktion pro Kopf in der Schweiz und den 28 Staaten der Europäischen Union verglichen. Die Analyse zeigt, dass die Schweiz weit abgeschlagen auf Rang 25 landet, womit sich das Land gegenüber dem vergangenen Jahr nicht verbessert hat. Die 2019er-Auswertung ergab, dass 250 Kilowattstunden Strom (2018: 206 kWh) pro Einwohner durch Wind und Sonne erzeugt werden.
Dänemark führt zum wiederholten Mal das Erneuerbaren-Ranking an. Jährlich produziert das Land kumuliert über 2.500 kWh Photovoltaik- und Windstrom pro Kopf (davon 165 kWh Solarstrom) – rund 10-mal mehr als die Schweiz (250 kWh insgesamt, davon 236 kWh Solarstrom). Während diese Energiequellen knapp die Hälfte des Strombedarfs Dänemarks decken, erreichen Wind- und Sonnenstrom in der Schweiz gerade mal 3,7 Prozent. Deutschland liegt auf dem zweiten Platz mit 1.905 kWh (davon 558 kWh Solarstrom). Hinter der Schweiz liegen noch Ungarn, Slowenien und die Slowakei sowie auf Platz 29 Lettland (78 kWh insgesamt, davon eine kWh Solarstrom).
Wie berichtet, hatte das Bundesamt für Energie ermittelt, dass in der Schweiz auf Hausdächern und -fassaden jährlich 67 Terawattstunden Strom erzeugt werden könnten, was den Landesstromverbrauch von rund 60 Terawattstunden deutlich übersteigt. »Das vorhandene Potential kontrastiert mit der Deckelpolitik der Schweiz, welche insbesondere die Photovoltaik trifft,«, bemängelt die SES. Zwar wurde mit der Energiestrategie 2050 der Netzzuschlag im letzten Jahr auf 2,3 Rappen/kWh erhöht. »Doch ist die Förderung zeitlich befristet, die Netzzuschlagmittel werden ineffizient verteilt und viele Projekte bleiben durch die rigorose Wartelistenpolitik blockiert.« Entsprechend lange müsse auf eine Einmalvergütung gewartet werden. Neue Projekte hätten keine Chance mehr auf eine Einspeisevergütung. Dabei sei »der Ausbau der Erneuerbaren dringend nötig, um den wegfallenden Atomstrom sowie die zu substituierenden fossilen Energieträger zu ersetzen«, erklärt die Projektverantwortliche Tonja Iten.
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